„Gemeinschaft erleben und Gutes tun“ – unter diesem Leitgedanken stand auch heuer wieder der Osterprojekttag am Gymnasium Petrinum.
Beim Gottesdienst zu Beginn des Tages wurde deutlich, worum es geht: hinauszugehen. Nicht im übertragenen Sinn, sondern ganz konkret – hinaus aus der gewohnten Umgebung, hinaus aus der Komfortzone, hinein in die Welt. Denn, wie unser Schulseelsorger Georg Winkler sagte, geht es darum, auf verschiedenste Arten und Weisen den Spuren Gottes nachzuspüren – und diese Spuren führen hinaus in die Welt.
Der Kyrie-Text des Gottesdienstes stellte der Schulgemeinschaft die konkrete Frage: Bin ich bereit, mich einzusetzen- für andere, für ein Miteinander, für eine bessere Welt?
Jeder sagt: Ich will meine Ruhe! Lasst mich in Frieden! Ich halt mich raus. Was geht mich das an?
Aber Frieden ist das nicht.
Wer Frieden will, der braucht andere Vokabeln: Einsetzen, ändern, erneuern. Miteinander, füreinander, vorwärts. Menschheit, Welt, Zukunft.
Friede – das wünschen wir uns: in unseren Familien, in unseren Freundschaften, in unseren Klassen, in unserer Welt.
Bin ich bereit, mich dafür einzusetzen?
Lernen mit Kopf, Herz und Hand
Im Anschluss an den Gottesdienst machten sich die Schüler*innen aller Schulstufen auf ganz unterschiedliche Wege – und doch mit einem gemeinsamen Ziel: andere Lebensrealitäten kennenzulernen und Verantwortung zu übernehmen.
Die 1. Klassen nahmen den Kreuzweg auf den Pöstlingberg auf sich. Die Stationen hatten die Schüler*innen bereits im Religionsunterricht inhaltlich nicht nur vorbereitet, sondern auch auf ihr Leben aktualisiert. Eine Schülerin erzählte: „Unsere Station (Station 5: Simon von Cyrene) haben wir mittels eines Comics dargestellt. Dabei haben wir erkannt, wie wichtig es ist, Menschen zu helfen die Hilfe brauchen." Ein Schüler der Parallelklasse berichtet: Oben angekommen, gingen wir in die Kirche und sangen das Vater Unser. Zurück im Petrinum erwarteten uns die Workshopleiter*innen der YoungCaritas und wir lernten, was die Caritas macht. Es war sehr spannend und die Zeit verging wie im Flug. Es war ein wunderschöner Osterprojekttag.
Die 2. Klassen näherten sich dem Thema Armut nicht nur theoretisch in einem Workshop der YoungCaritas, sondern auch durch Begegnungen. In Einrichtungen wie einem Seniorenwohnhaus, einer Wärmestube oder dem Haus für Mutter und Kind kamen sie mit Menschen ins Gespräch, hörten zu und stellten Fragen. „Wir sind ins Altersheim gegangen. Dort haben wir selbst gestaltete Kärtchen verteilt und Lieder gesungen. Es war ein interessanter Tag und die Leute waren alle sehr nett“, berichtete ein Schüler der 2. Klasse.
Die 3. Klassen beschäftigten sich mit den Themen Pfarre, Kirche und Diözese. Sie entdeckten den Bischofshof vom Dachboden bis zum Keller oder besuchten die Stadtpfarre Linz. Ein Schüler erzählte: „In der Kirche fand ich gut, dass wir uns bewegen konnten und nicht nur gesessen sind.“
In einem Workshop der Dreikönigsaktion erfuhren die Schüler*innen welchen Stellenwert die Organisation in der Diözese hat und wo und wie sie sich für das Thema Kinderarbeit einsetzt.
Ein weiterer Workshop fand mit dem Innungsmeister der österreichischen Bestatter, Martin Dobretsberger statt. Er erzählte von einer sehr ganzheitlichen Sichtweise auf seinen Beruf: von der Führung eines Familienunternehmens über die technischen Anforderungen einer Bestattung bis zum sensiblen Umgang mit Hinterbliebenen im Sinne einer Trauerbegleitung. Auch die vielfältigen Fragen der Schüler*innen, die von seinem persönlichen Umgang mit Trauer und Tod bis zum Ablauf einer Feuerbestattung reichten, hatten Platz in dieser spannenden Stunde, die das oft eher gemiedene Thema Tod auf andere Weise in den Mittelpunkt rückte.
Die 4. Klassen öffneten ihren Blick für andere Religionen. Sie besuchten eine Synagoge, eine Moschee ein buddhistisches Zentrum und die Katholische Privatuniversität Linz. Dort bekamen sie einen Einblick in die jeweiligen Religionen und in die Frage, wie die Menschen ihren Glauben in Österreich leben.
Eine Schülerin meinte: „Es war schon cool, einmal die Synagoge von innen gesehen zu haben! Shiri, die ursprünglich aus Israel kommt, hat uns wirklich einen lebendigen Einblick in das Leben und den Glauben von Jüdinnen und Juden gegeben!
In den 5. Klassen stand das Leben mit Beeinträchtigung im Mittelpunkt. Neben Workshops und Selbsterfahrungen waren es vor allem die persönlichen Begegnungen, die Eindruck hinterließen. Beim Besuch im Diakoniewerk wurde deutlich, wie vielfältig Kommunikation sein kann: „Manche waren sehr kontaktfreudig … andere konnten oder wollten nicht reden – das war gar nicht so leicht auszuhalten,“ berichtete ein Schüler. In einem weiteren Workshop ging es um Blindheit und die Schüler*innen durften zum Beispiel erfahren, wie es ist, sich ohne Augenlicht durch unser Schulgebäude zu bewegen.
Die 6. Klassen wurden im Rahmen der „Aktion Kilo“ selbst aktiv und sammelten vor Supermärkten Lebensmittelspenden für verschiedene Einrichtungen der Caritas. Damit setzten sie ein sichtbares Zeichen der Solidarität mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Im Anschluss trafen die Schüler*innen im Workshop namens „World Café“ eine Frau, die von ihrer Flucht aus Syrien berichtete und kamen mit ihr ins Gespräch.
Die 7. Klassen erhielten bei ihren Besuchen in Ordensgemeinschaften (bei den Elisabethinen in Linz und den Zisterziensern im Stift Wilhering) einen besonderen Einblick in Lebensformen, die von Gemeinschaft, Spiritualität und Engagement geprägt sind. In persönlichen Gesprächen wurde deutlich, dass diese Lebensweise auch heute noch eine bewusste Entscheidung für ein Leben für andere ist. Eine Schülerin berichtete: „Ich habe von dort einige interessante Fakten über das Leben in einem Kloster mitgenommen, die ich sonst wahrscheinlich nie erfahren hätte. Generell finde ich die Projekte immer gut ausgewählt, es ist für jeden etwas dabei und sowohl die Lehrpersonen als auch die externen Projektleiter sind sehr bemüht, den Tag spannend für uns zu gestalten.“
Die 8. Klassen setzten sich intensiv mit dem Thema Obdachlosigkeit auseinander. Bei Besuchen im Vinzenzstüberl und bei der ARGE für Obdachlose sowie bei einer begleiteten „Gratwanderung“ erhielten sie eindrucksvolle Einblicke in Lebensrealitäten, die oft am Rand unserer Wahrnehmung stehen.
Gesendet sein – auch heute
Ein Gedanke aus dem Gottesdienst zog sich wie ein roter Faden durch den gesamten Tag: Dass jede und jeder Einzelne etwas bewirken kann und dass wir nicht perfekt sein müssen – aber bereit, uns auf den Weg zu machen. Oder, wie es in der Predigt hieß: Gott traut uns etwas zu. Er sendet uns – nicht, weil wir alles können, sondern weil wir gebraucht werden.
Der Osterprojekttag macht erfahrbar: Lernen ist mehr als Unterricht. Es geht darum hinzusehen, ins Gespräch zu kommen und manchmal auch den Mut zu haben, sich auf Ungewohntes einzulassen.